
Kinderwunsch
Ein kraftvolles, beinahe episches Porträt einer Frau, deren Liebes- und Kinderwunsch sich zwischen einsamer Realität und sehnsuchtsvoller Fantasie bewegt.
„Kinderwunsch” begleitet Idit, eine 39-jährige Lehrerin aus Tel Aviv, auf ihrem Weg von einem unabhängigen, kinderlosen Leben hin zu einer ambivalenten Mutterschaft. Zwischen gescheiterten Versuchen des Co-Parentings und komplexen Adoptionsverfahren ringt Idit mit der Frage: Gibt es ein Happy End oder bleibt es doch immer eine literarisch-romantische Fantasie?
Voller Detailreichtum, feinem Humor und großer emotionaler Dichte lotet „Kinderwunsch“ die Spannungen zwischen gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und persönlichen Wünschen aus.
Ein intimer, moderner Pageturner zwischen Moderne und Romantik über den inneren und äußeren Druck, Mutter werden zu müssen sowie die subtilen wie auch offenen Einschränkungen, mit denen Frauen in modernen Gesellschaften zu kämpfen haben.
ביקורות
»Die beste lebende Autorin, die auf Hebräisch schreibt.«
- Haaretz, Januar 2022
Buchdetails
Kategorie:
Romane
Originalausgabe:
העלמה מקזאן
Verlag:
Xargol Press 2015 (Hebräische) Altneulang Press & Kanon Verlag 2025 (Deutsch)
Übersetzer:in:
Lucia Engelbrecht
Seitenzahl:
500
Preis:
28 €
ISBN:
978-3-98568-214-0
Erscheinungsdatum:
Juli 2026
Umschlaggestaltung:
Talia Baer
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Auszug
„Darf ich dich was fragen?“
Idit wusste, dass Fragen, die so eingeleitet wurden, eigentlich nicht gestellt werden
sollten. Trotzdem nickte sie bloß matt.
„Aber sei ehrlich, und bluff nicht. Wie viel Geld hast du auf der Bank?“
Damit hatte sie nicht gerechnet. Vor Überraschung hätte sie beinahe den Betrag auf
ihrem Konto genannt.
„Is‘ nicht böse gemeint, dass ich frage. Aber glaub mir, ich hab‘ mir schon an so
einigen Frauen die Finger verbrannt … Ich sag‘ nicht, dass du so bist. Gar nicht. Aber wie
heißt es? Vorsichtig ist, wer Porzellan hat.“
„Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“, korrigierte ihn Idit.
„Hä?“
„Egal.“
„Also?“
„Also was?“
„Wie viel Geld hast du auf der Bank?“
Idit versuchte, die Fassung zu bewahren. „Ich verstehe nicht, was das mit unserem
Thema zu tun hat.“
„Tu nicht so“, sagte er wütend. „Ein Kind kostet. Essen, Kleidung, irgendwelche
Kurse. Das ist alles teuer. Und ich werd‘ ganz sicher nicht der einzige Idiot sein, der dafür
zahlt.“
Idit seufzte leise. Und sie hatte gedacht, die größten Verrückten würde man auf
Dates treffen.
„Ich hab‘ mich neulich mit einer getroffen, ‘ner Vierzigjährigen. Single.“ Er sprach
die Worte mit Verachtung aus, „Das Erste, was die zu mir gesagt hat, war: Ich will
Minimum achttausend Schekel im Monat. Sonst brauchen wir gar nicht zu reden. Völlig
irre, die Alte.“
„Wie alt bist du?“, fragte Idit.
„Fünfzig plus.“ Er lächelte sie an, den Mund voller blitzend weißer Zähne.
„Fünfzig plus wie viel?“
Wieder ein Lächeln. „Plus plus.“
Wäre sie eine andere gewesen, hätte sie ihm gesagt, dass er eher wie sechzig plus
aussah. Nein. Sie wäre, in dem Moment, als er nach ihrem Kontostand gefragt hatte,
aufgestanden und gegangen. Nein. Sie wäre schon gegangen, als er gefragt hatte, ob sie in
ihrer eigenen Wohnung lebte. In dem Moment, in dem er vorgeschlagen hatte, sich bei ihr
zu Hause zu treffen – „um dich besser kennenzulernen, wenn du verstehst, was ich
meine.“
Auf dem Papier hatte er normal gewirkt. Hatte sich als ledig, gut situiert und hetero
beschrieben – letzteres hatte er noch mehrere Male bei ihrem ersten Gespräch betont –, als
jemand, der ernsthaft nach einer passenden Co-Mutter suchte. Auch am Telefon hatte er
normal geklungen, fand sie. Er hatte ihr erzählt, dass er als Selbständiger mit
Versicherungen arbeite, dass er nie geheiratet und einen sehr großen Kinderwunsch habe.
Es hatte Idit abgeschreckt, als er vorgeschlagen hatte, sich bei ihr zu Hause zu treffen,
doch einem Treffen im Café hatte er sofort zugestimmt. Erst als sie ihm gegenübersaß,
bemerkte sie, dass er deutlich älter wirkte, als er sich ausgegeben hatte. Etwas an dem
Funkeln in seinen Augen stieß sie ab. Er war durchschnittlich groß, etwas übergewichtig,
seine Glatze sah aus, als wäre er zu lang im Solarium gewesen, und seine Zähne, als wären
sie frisch gebleicht worden. Am Finger trug er einen dicken, hässlichen Ring.
Zur Begrüßung hatte er sich vorgestellt – „Benny“ –, Idits ausgestreckte Hand
ignoriert, sie stattdessen sofort in eine freundschaftliche Umarmung gezogen, an sich
gedrückt und ihr auf den Rücken geklopft. Idit hatte sich verkrampft.
Jetzt schluckte Benny den letzten Bissen des Croissants hinunter, das er bestellt
hatte, wischte sich den Mund mit einer Serviette ab und lächelte sie an. „Und noch was:
Mir ist es sehr wichtig, es auf natürlichem Weg zu machen.“
